Die Kraft der Zirbe in der Naturheilkunde

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Wir haben Astrid Süßmuth zu einem Interview gebeten. Frau Süßmuth ist Heilpraktikerin und betreibt in München eine Naturheilpraxis. Nebenbei veröffentlicht Sie noch zahlreiche Fachartikel, ist erfolgreiche Buchautorin und hält Seminare zu den Themen Heilpflanzen und Naturheilkunde ab.

Frau Süßmuth setzt in verschiedenen Therapien, vor allem aber in der Stressbekämpfung, auf die natürliche Kraft der Zirbe. Wie das funktioniert und wie Sie auf die Königin der Alpen aufmerksam wurde, erzählt uns die Naturheilpraktikerin in diesem sehr interessanten Interview. Viel Spaß beim Lesen.

 

Kurz zu Ihrer Person. Beschreiben Sie bitte Ihr Tätigkeitsfeld/ Werdegang und seit wann beschäftigen Sie sich explizit der Zirbe als Heilmittel gestoßen?

Süßmuth: Nach Abitur, Studium zur Vertriebsingenieurin, verschiedenen interessanten beruflichen Stationen und Familienzeit habe ich die Ausbildung zur Heilpraktikerin absolviert und nach intensiver Assistenzzeit meine eigene Praxis mit dem therapeutischen Schwerpunkten Phytotherapie, Homöopathie und Geomedizin eröffnet.

Als herausragendes Phytotherapeutikum spielt die Zirbe bei mir in der Praxis natürlich eine wichtige Rolle, kennen gelernt habe ich die Wirkung der Zirbe aber schon viel früher. Als Schülerin habe ich regelmäßig festgestellt, dass ich nach anstrengenden Schulaufgabenzeiten erst dann wieder gut schlafen konnte, wenn ich auf einer Berghütte unter Zirben angekommen war. Ich war damit schon als Teenager von diesen so besonderen Bäumen fasziniert.

 

Welche Wirkung der Zirbe ist für Sie besonders erwähnenswert?

Süßmuth: Für mich war und ist noch immer die wichtigste Wirkung der Zirbe, dass sie durch das Zusammenwirken von verbesserter Durchblutung und Entspannung die Ruhe für einen erholsamen Schlaf schenkt und dabei die Herzfrequenz reguliert.

Interessant ist die Zirbe als Heilmittel deshalb bei verschiedenen Begleiterscheinungen des Erschöpfungssyndroms wie zum Beispiel Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche und funktionelle Herzbeschwerden.

Ein Komplex, der gehäuft als direkte Folge chronischer Stressbelastung auftritt und dem die Zirbe scheinbar ganz gelassen als Alpenpflanze, die selbst über eine extrem hohe Stresstoleranz in ihrer natürlichen Umgebung verfügen muss, gegenübertritt.

 

Welche Therapien in Verbindung mit der Zirbe wenden Sie an und können Sie diese in ein paar Sätzen beschreiben?

Süßmuth: Naturheilkundliche Therapien sind genauso individuell wie die einzelnen Patienten. Die Zirbe bietet ein breites Spektrum an Möglichkeiten wie solch eine ganzindividuelle Therapie gestaltet werden kann:

Zirbenduft wirkt wie eine Halt gebende Umarmung, die stützt und beruhigt

Astrid Süßmuth, Heilpraktikerin

Eine sehr sinnliche und effektive Anwendung der Zirbe ist die Verwendung von ätherischem Zirbenöl, das mit seinem Hauptwirkstoff Pinosylvin der heilkundlich bedeutendste Teil des gesamten Baumes ist. Der Duft wird von Geruchsrezeptoren aufgenommen und direkt an das limbische System im Gehirn weitergeleitet, das unter anderem für die Verarbeitung von Emotionen ist und in Abhängigkeit davon Hormonausschüttungen, Körperfunktionen wie Blutdruck und Herzfrequenz oder ganz allgemein den Elan beeinflussen. Zirbenduft wirkt wie eine Halt gebende Umarmung, die stützt und beruhigt.

Der tägliche Spaziergang in einem Zirbenwald soll Ruhe, Gelassenheit und Herzensstärke für ein langes Leben schenken - doch wer hat zufällig gerade einen Zirbenwald vor der Haustüre?

Eine Alternative zum Spaziergang im Zirbenwald stellt der Aufenthalt in einer Umgebung aus Zirbenholz dar. Das pure Holz, als Möbelholz für die im Alpenraum schon immer beliebten Zirbenbetten, verbessert signifikant den Erholungszustand und reguliert den Herzschlag eines Schlafenden um bis zu neun Herzschlägen pro Minute.

Der Schlaf in einem Zirbenbett gehört damit für mich zu den wichtigsten Heilmitteln in der Nachsorge akuter Herz-Kreislauferkrankungen.

Die wohlschmeckendste Verwendung der Zirbe ist sicherlich der „Zirmschnaps“ (Zirbenschnaps), der im Alpenraum traditionell unter anderem bei Nervenschwäche und allgemeinem Schwächezustände genossen wird.

 

Wie hoch sind die Erfolgschancen?

Süßmuth: Ob eine Therapie Erfolg hat liegt an der Compliance, der Krankheitseinsicht des Patienten. Eine vollständige Heilung kann immer erst nach Beseitigung der Krankheitsursache möglich sein, so können die Folgen von Stress auch nur dann komplett ausgeheilt werden, wenn die Ursache nicht mehr besteht.

Wer also seinen Gesundheitszustand damit verbessern möchte zukünftig in einem Zirbenbett zu schlafen, sich aber weiterhin im 80-Stunden-Job aufreibt wird sicherlich nicht den vollen Benefit der Heilpflanze haben und keinen durchschlagenden Erfolg einer Therapie mit der Zirbe erkennen können.

 

Können Sie Ihre Zielgruppe definieren?

Süßmuth: Die Zirbe hat keine Zielgruppe in dem Sinne dass man sagen könnte es ist ein spezielles Heilmittel für die Kindheit, in der Frauen- oder Männerheilkunde.

Es sind eher Lebensumstände, die auf die Zirbe hinweisen: Ruhelose und stressige Zeiten, Phasen in denen die Lebenskraft zu zerrinnen droht, immer man sich vom Alltag überwältigt und überfordert fühlt. Dies kann auf ältere Menschen zutreffen, auf Top-Manager, auf junge Mütter und genauso auf kleine Kinder - die sich übrigens in Zirbenwiegen besonders wohl fühlen.

 

Setzen Sie die Heilmittel der Zirbe neben der Stressbekämpfung auch bei anderen Beschwerden ein? Wenn ja, bei welchen?

Süßmuth: Vor allem das Zirbenöl hat ein sehr breites Wirkspektrum. Wie das ätherische Öl anderer Nadelbäume wirkt Zirbenöl auf das Atemzentrum. Inhalationen fördern eine vertiefte Atmung und dadurch die Sauerstoffaufnahme der Lunge.

Zirbenöl ist antibakteriell, es wirkt entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, schmerzlindernd und schleimlösend. Bei Erkältungen und Nebenhöhlenerkrankungen bemerkt man rasch die wohltuende Wirkung auf die Atemwege.

Schlafen in einem Zirbenholzbett stärkt nachhaltig unser Immunsystem

Astrid Süßmuth, Heilpraktikerin

Allein schon der regelmäßige Schlaf in einem Zirbenholzbett stärkt übrigens nachhaltig unser Immunsystem!

Sehr wohltuend ist die Anwendung von Zirbenöl auch bei rheumatischen Beschwerden, Muskel- und Gelenkschmerzen in Form von Einreibungen oder auch durch Bäder. Diese Bäder haben sich auch in der Behandlung von Spannungskopfschmerzen bewährt.

Besonders hervorzuheben ist die Heilkraft des Zirbenharzes als Wund- oder Zugmittel besonders in der Outdoor-Apotheke. Auch bei offenen Stellen im Mund wirkt ein aufgelegtes Stück Zirbenharz schnell schmerzlindernd und wundschließend.

Der beliebter „Zirmschnaps“ wird auch bei Magenverstimmung und Übelkeit eingesetzt.

 

Ist die Heilwirkung der Zirbe bei Kindern und Erwachsenen anwendbar bzw. gibt es Unterschiede in der Anwendung?

Süßmuth: Grundsätzlich ist die Zirbe ungiftig - Zirbennüsse sind sogar eine ganz besonders wohlschmeckende und gesunde Delikatesse! - und damit als Heilmittel für Erwachsene wie für Kinder geeignet.

Selbstverständlich dürfen Kindern keine alkoholischen Zubereitungen verabreicht werden. Als Alternative zum Zirbenschnaps kann aber Zirbensirup zubereitet werden; ätherisches Öl wird bei Kindern generell wesentlich sparsamer dosiert, ist aber gerade als Zusatz in Duftlampen eine große Unterstützung in der Rekonvaleszenz von kindlichen Erkältungskrankheiten.

Zirbenbetten sind für Menschen jedes Alters ohne Einschränkungen zu empfehlen, ob als Wiege zur Unterstützung des guten Babyschlafs, um jugendliche Zappelphilippe zur Ruhe zu bringen oder für Menschen, die sich und ihrer Gesundheit etwas Gutes tun möchten.

 

Kann man die Wirkung der Zirbe auch schon vor dem Auftreten von Beschwerden nutzen, also vorbeugend?

Süßmuth: Die Salutogenese (wikipedia), also die Vorsorge für die eigene Gesundheit, ist eine wichtige Basis der Naturheilkunde und gerade die Zirbe spielt dabei eine wichtige Rolle. Ganz konkret als in den Wohnräumen verdampftes Öl, mit dem man in Erkältungszeiten das Ansteckungsrisiko minimieren kann, oder ganz allgemein als Möbelholz, insbesondere für die Betten.

 

Wie sehr ist die Zirbe in Ihrem privaten Alltag vertreten?

Süßmuth: In unserem Schlafzimmer steht seit vielen Jahren ein wundervolles Zirbenbett, das mich jeden Tags aufs Neue mit seinem wunderbaren Duft begrüßt wenn ich nach Hause komme - Zirbenholz behält übrigens über Jahrzehnte seinen charakteristischen Duft bei.

Der Duft des Zirbenholzes bleibt über Jahrzehnte bestehen

 

Selbstverständlich umfasst meine Hausapotheke die verschiedensten Zirben-Zubereitungen wie Zirbensirup, Zirbenharzsalbe oder Zirbenschnaps.

Nie fehlen darf im Winter das Schälchen mit Zirbenöl in meiner Praxis, wichtig um Infektionen schon im Keim zu ersticken.

 

Wie ist Ihre Meinung zu den Ergebnissen der Joanneum-Studie, wonach die Schlaf- und Regenerationsfähigkeit in einem Zirbenbett deutlich besser sein soll als in anderen Betten?

Süßmuth: Die Erkenntnisse dieser Studie kann ich vollkommen teilen, aus eigener Erfahrung wie aus der langjährigen Begleitung von Patienten, die mittels der Zirbe wieder zu einem entstresstem Leben und zu erholsamen Schlaf gefunden haben.

 

Sie halten auch Seminare ab. Erläutern Sie kurz den Inhalt und Ablauf eines Seminars und welche Erfahrungen nehme ich mit?

Süßmuth: Insbesondere liegt mir daran, in Seminaren den Teilnehmern einen Zugang zur Natur zu vermitteln oder diesen wieder zu beleben. Dies kann auf Wanderungen wie in Workshops geschehen, entscheidend ist dabei das eigene Erleben: Wie fühlt sich ein Baum an, die feuchte Erde, wie duftet feuchtes Holz, was schmecke ich wenn ich auf eine Zirbennadel beiße?

Es ist ein Weg zurück zur Natur, der sonst häufig im Dschungel des Alltags verborgen bleibt. Gerade in einer Zeit der Technologisierung und schier unüberschaubarer medialer Vernetzung ist die Möglichkeit zur Regeneration in einem sinnlich erfahrbaren Naturraum unabdingbarer Gegenpol zu Anforderungen unserer Leistungsgesellschaft.

Erstaunlicherweise kennen viele Menschen unsere heimischen Pflanzen nicht mehr, kennen nicht mehr die von unserer Großmuttergeneration noch so häufig aufgesuchten Heilquellen, fürchten oft sogar eine allzu natürliche Umgebung.

 

Nur was ich weiß, das kann ich verwenden. Nur was ich kenne, das kann ich wertschätzen

Astrid Süßmuth, Heilpraktikerin

Nur was ich verstehe, das brauche ich nicht zu fürchten sondern kann es ganz im Gegenteil für mein Wohlbefinden einsetzen.

Wer erlebt hat, wie ein schlichtes Gänseblumenkränzchen erwachsene Frauen zum Strahlen bringt, wird diese Erfahrung in sein eigenes Handeln integrieren und dieses Wissen auch weitergeben; wer erfahren hat, welche Kraftreserven eine Meditation unter Zirben in ihm erwecken kann, nimmt dieses Wissen voller Begeisterung vom Seminar mit zurück in sein tägliches Leben.

 

Eine Auswahl der zahlreichen Publikationen von Frau Süßmuth finden Sie unter: http://www.astridsuessmuth.de/publikationen/

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